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Pressetext:

Was ist los im Zirkus Beely?

 D 1926 - Länge: 85‘

viragierter Stummfilm restaurierte Fassung Kompositionsauftrag Neuvertonung– deutsch-französische Erstaufführung

 

Regie:

Drehbuch:


Kamera:

Bauten:

Aufnahmeleitung:

Musik:

Produktion:

Studioaufnahmen:

Zirkusaufnahmen:

Uraufführung:

Länge:

 


Restaurierung:

Kopie:

Umkopierung:

Produzent:

Konzeption:

Kopienlänge:

 

Musik:

Besetzung:

 


Redaktion:

Harry Piel

Max Bauer (nach Motiven der Romane
Das Geheimnis des
Zirkus Barré und Der Reiter ohne Kopf)

Georg Muschner, Gotthart Wolf

Kurt Richter

Walter Zeiske, E.D. Leonhard

Hans May (Repertoire)

Nero-Film GmbH Drehzeit Sept.-Nov. 1926

Filmwerke Staaken, Berlin

Zirkus Renz, Wien-Leopoldstadt

14.01.1927 Alhambra, Berlin-Kurfürstendamm

3.549 Meter (Lt. Zensurentscheid vom 10.12.1926)
2.900 Meter (gekürzte Fassung zum Kinostart)

 

(2001) KirchMedia

Cineteca Italiana

L’Immagine Ritrovata, Bologna

Paul Reichl

Matthias Knop

1.938 Meter (= 85’ bei 20 f/sec)

 

(2004) Pierre Oser (im Auftrag des ZDF)

Querflöte, B-/ Baßklarinette,
Trompete/Euphonium, Tenor-/Baritonsaxophon
Violine, Viola, Violoncello, Klavier


Nina Goslar

 

Eine Koproduktion von KirchMedia und ZDF, in Zusammenarbeit mit ARTE und dem Goethe-Institut

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Die Rollen und ihre Darsteller:

 

Harry Peel

Robert Jackson

Anita de Moran

Kommissar Bull

Rose Jackson

Allan Kean

Dr. Oskar Waldow

Ringer

Notar Steen

Harry Piel

Ralph Ostermann

Hanni Weiße

Fritz Greiner

Ilona Karolewna

Charly Berger

Erich Kaiser-Tietz

Bambulla

Eugen Burg

 

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Synopsis

Harry Peel wird bei einer Abendgesellschaft von seinem alten Freund Robert Jackson um Hilfe gebeten – ein kurzer Telefonanruf, dann bricht das Gespräch ab. Der Anruf kam vom Zirkus Beely. Peel sieht sich dort im Schutze der Nacht um und findet im Keller den ermordeten Jackson. An die Wand gekritzelt eine Botschaft an Harry: er möge ein verstecktes Dokument suchen und sich um Rose kümmern, Jacksons blinde Tochter. Nach und nach erfährt er, dass es sich bei dem Dokument um einen Kreditbrief handelt. Wer immer sich des Briefes bemächtigt, besitzt das gesamte Vermögen.

Bei seiner Suche nach dem Dokument im Zirkus gerät Peel in lebensgefährliche Situationen: er muss sich aus einem Löwenzwinger befreien, liefert sich Prügeleien mit einem schwarzen Ringer und wird von einem maskierten Mann verfolgt. Schließlich sind die Dokumente gefunden, es kommt zum showdown zwischen ihm und dem Maskierten. Harry jagt ihn bis in die Zirkuskuppel und reisst ihm die Maske vom Gesicht: es ist Zirkusdirektor Kean! Dieser hatte sich in Südamerika das Vertrauen des gutmütigen Jackson erschlichen und wollte nun an dessen Vermögen. Dr. Waldow, zu dem die junge Rose gebracht wurde, ist es inzwischen gelungen, der jungen Frau das Augenlicht wiederzugeben.

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Aus zeitgenössischen Kritiken

“.... Da sind düstere Katakomben, in denen ein unheimlicher Bursche, ein Verwandter des Phantoms der Oper, in Maske und schwarzem Mantel, herumgeistert, ein riesenhafter Neger (der Ringer Bambulla), immer bereit , den tapferen Harry ins Jenseits zu befördern, aufregende Verfolgungen über Dächer, durch die Zirkuskuppel, an schwankenden Geräten, Falltüren, Versenkungen, ein losgelassener Tiger und gleich eine ganze Löwenherde, kurz, Piel hat nicht wenig Prüfungen zu bestehen, bis er es geschafft hat. Er ist bei diesem, seinem 75. Film, frisch, forsch und gewandt, wie je und hat in jedem Augenblick die Sympathie des Publikums. Wenn auch seine Zähmung des Tigers in knapp anderthalb Minuten etwas wunderbar ist, so ganz ohne ist der Umgang mit dem riesigen Katzentier immerhin nicht. Man darf bei Sensationsfilmen nicht nach der Logik fragen...” (Der Kinematograph)

“... Aber wir sind es ja gewöhnt von Harry Piel, daß er alles spielend bewältigt und überwältigt, was sich ihm in den Weg stellt: er findet das Geld, die Verbrecher werden ihrer gerechten Bestrafung entgegengeführt, und die blinde schöne Tochter bekommt das Augenlicht wieder, auf daß Harry Piel sie heiraten kann. Wir sind begeistert von dir, wie immer, Harry Piel, aber heiraten, nein, das hättest du nicht sollen! Erstens ist das stillos von einem Privatdetektiv, und zweitens, wo läßt du die Frau, wenn du deinen 76. Film drehst? Oder kommst auch du langsam in die Jahre?” (Die Filmwoche)

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     Harry Piel (1892 – 1963)

Harry Piel - Autor, Filmregisseur und Sensationsdarsteller - war seit der Stummfilmzeit Inbegriff des deutschen Action-Schauspielers. Die Harry-Piel-Filme hatten hohes Tempo und ungedoubelte Stunts, unübertroffen sind Harry Piels Raubtier-Nummern. Er galt als der “deutsche Douglas Fairbanks”, war in den 20-er und 30-er Jahren Idol der deutschen Kino-Jugend und Liebling der Damen im Publikum.

Mit 14 Jahren brannte er von zu Hause durch, war Kadett auf einem Segelschiff und ging mit 19 Jahren nach Paris, um Kunstflieger zu werden. Dabei lernte er den Regisseur Léonce Perret kennen, der ihm Kontakt zu Gaumont verschaffte. Hier schrieb er sein erstes Drehbuch und gründete 1912 eine Verlagsgesellschaft, die nach drei Filmen pleite ging.

Ab 1919, nach einer Reihe von Joe-Deebs-Detektivfilmen, beschränkte sich Piel nicht mehr alleine auf die Filmregie, sondern wurde ab sofort auch sein eigener Hauptdarsteller. Die neu gegründete Nero-Film nimmt Piel mit offenen Armen auf. Deren Chefs sind Richard Oswald, Heinrich Nebenzahl und sein Sohn Seymor. Seymors ausgeprägtes Finanzierungsgeschick und Gespür für Talente schaffen ihm ideale Bedingungen. Die Nebenzahls richten Piel eine eigene Produktionsabteilung ein, in der er relativ autonom agieren kann, solange er nicht das für jeden Film eingeräumte Budget von 200 000 Mark überschreitet. 1928 gründet Piel die Filmgesellschaft Ariel, die für die nächsten zehn Jahre seine Filme produzierte.

Nach dem Krieg wurde er von den Engländern zu sechs Monaten Haft und einem Arbeitsverbot bis 1949 verurteilt. Sein Vergehen: Mitläufer bei der NSDAP, bei der er seit 1933 Mitglied war. Schlimmer war, dass 72 Negative von seinen Filmen, darunter fast alle Stummfilme, bei einem Fliegerangriff vernichtet wurden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges konnte Piel nicht mehr Fuß fassen, nur zwei Filme drehte er bis zu seinem Tod im Jahre 1963. Am Ende seiner Filmlaufbahn zierten genau 106 Narben von Knochenbrüchen, Hieb- und Stichverletzungen und Bißwunden den Körper dieses waghalsigen Artisten und Kinobesessenen Mannes.

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Zur Restaurierung des Films

von Matthias Knop (Filmmmuseum Düsseldorf, ehem. KirchMedia)

Da fast alle Piel-Filme der Stummfilmzeit im Krieg vernichtet wurden, ist es ein Glücksfall, daß sich in der Cineteca Italiana (Mailand) eine viragierte Nitro-Kopie erhalten hat. Diese bildet die Basis der vorliegenden Restaurierung. Die Kopie wurde 2001 bei Recherchen durch KirchMedia in der Cineteca di Bologna gefunden; sie war dort für die Cineteca Italiana eingelagert.Wie sich herausstellte, handelt es sich um das einzig noch erhaltene Material weltweit (ein im staatlichen russischen Filmarchiv vorhandenes Material trägt zwar denselben Titel, es handelt sich aber um einen anderen Piel-Film).

Das Nitro aus Bologna/Milano ist viragiert und hat italienische Titel (insgesamt 89). Offensichtlich war der Film für den italienischen Export stark gekürzt worden: Zensurlänge war in Deutschland im Jahre 1927 ursprünglich 3.384 Meter, der Film wurde lt. zeitgenössischer Fachpresse fürs Kino auf ca. 2.900 Meter gekürzt, genaue Angaben hierzu sind nirgendwo zu finden. Die vorliegende Fassung hat nach Einfügen der deutschen Titel 1.938 Meter, mit der empfohlenen Vorführgeschwindigkeit von 20 B/sec ist der Film nun 85 Minuten lang.

Die Zensurkarte, die zugleich den Wortlaut aller Zwischentitel erfasst, ist im Bundesarchiv vorhanden, danach hatte der Film insgesamt 156 Titel. In der vorliegende Kopie konnten davon 149 Titel in die Handlung eingefügt werden (z.T. waren noch sichtbare Klebestellen vorhanden, wo früher einmal Titel waren). Lediglich 7 Titel fehlen nun im Vergleich zur Zensurliste, da die dazugehörigen Szenen fehlen. Dennoch können wichtige Teile der Handlung durch etwaige Kürzungen nicht fehlen, vermutlich wurden für die Kinoauswertung in Italien einige ausschweifende Handlungsstränge gerafft.

Die Kopierarbeiten wurden im Kopierwerk L’Immagine Ritrovata Bologna durchgeführt, das sich auf schwierige Rekonstruktionen historischen Filmmaterials spezialisiert hat. Die deutschen Titel, die bei KirchMedia hergestellt wurden, orientieren sich dem Wortlaut nach an der Zensurkarte, der grafischen Gestaltung nach an den italienischen Titeln.

Eine Rohfassung des restaurierten Films (ohne Titel) wurde beim italienischen Stummfilm-Festival

Il Cinema Muto von Pordenone im Oktober 2001 probehalber aufgeführt. Die im November 2001 endgültig fertiggestellte deutsche Fassung ist bis dato noch nicht gezeigt worden.

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Zur neuen Musik

Die Musik des Münchner Komponisten Pierre Oser entstand im Auftrag von ZDF/ARTE für ein außergewöhnliches Kooperationsprojekt mit KirchMedia und dem Goethe-Institut:

Ein Film, der schon aufgrund seines populären Hauptdarstellers Harry Piel zu den großen Kinoerfolgen des Jahres 1927 gehörte, soll wieder auf Welt-Tournee gehen. Dafür schrieb Pierre Oser eine Musik, die an die Machart der Sensationsfilme der frühen Filmgeschichte anknüpft und die die ganze Klaviatur seriöser und leichter Musik durchspielt. Sie spannt den Bogen von Spätromantik und Expressionismus hin zur Tanz- und Schlagermusik der zwanziger Jahre und weiter zur Varieté- Zirkus- und Filmmusik.

Die Musik zum ZIRKUS BEELY spiegelt die stilistische Vielfalt des Films und seiner Zeit; sie führt den Besucher aus dem bürgerlichen Ambiente des ausgehenden 19. Jahrhunderts in den Rhythmus und das Tempo der anbrechenden Moderne, der Krimi- und Actionfilme, wie sie auch aus den folgenden Jahrzehnten mit Serien-Helden wie Emma Peel, Miss Marple und Kommissar Maigret vertraut sind. Klangeffekte unterstreichen die Spannung der Geschichte und akzentuieren das Spiel der Protagonisten.

Für sein subtiles Spiel mit vertrauten Mustern der Filmmusik greift Pierre Oser auf einen kleinen Bläser- und Streichersatz zurück, unterstützt vom Klavier: 8 Instrumentalisten mit Piccolo-/Querflöte, B-/Baß-Klarinette, Trompete/Euphonium, Tenor-/Bariton-Saxophon, Violine, Viola, Violoncello, Klavier.


letzte Aktualisierung 15.03.2008 , © Pierre Oser