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Synopsis
Harry Peel wird bei einer Abendgesellschaft von seinem alten Freund
Robert Jackson um Hilfe gebeten – ein kurzer Telefonanruf, dann
bricht das Gespräch ab. Der Anruf kam vom Zirkus Beely. Peel sieht
sich dort im Schutze der Nacht um und findet im Keller den ermordeten
Jackson. An die Wand gekritzelt eine Botschaft an Harry: er möge
ein verstecktes Dokument suchen und sich um Rose kümmern, Jacksons
blinde Tochter. Nach und nach erfährt er, dass es sich bei dem Dokument
um einen Kreditbrief handelt. Wer immer sich des Briefes bemächtigt,
besitzt das gesamte Vermögen. Bei seiner Suche nach
dem Dokument im Zirkus gerät Peel in lebensgefährliche
Situationen: er muss sich aus einem Löwenzwinger befreien, liefert
sich Prügeleien mit einem schwarzen Ringer und wird von einem maskierten
Mann verfolgt. Schließlich sind die Dokumente gefunden, es kommt
zum showdown zwischen ihm und dem Maskierten. Harry jagt ihn bis in die
Zirkuskuppel und reisst ihm die Maske vom Gesicht: es ist Zirkusdirektor
Kean! Dieser hatte sich in Südamerika das Vertrauen des gutmütigen
Jackson erschlichen und wollte nun an dessen Vermögen. Dr. Waldow,
zu dem die junge Rose gebracht wurde, ist es inzwischen gelungen, der
jungen Frau das Augenlicht wiederzugeben.
top Aus zeitgenössischen Kritiken “.... Da sind düstere Katakomben, in denen ein unheimlicher
Bursche, ein Verwandter des Phantoms der Oper, in Maske und schwarzem
Mantel, herumgeistert, ein riesenhafter Neger (der Ringer Bambulla),
immer bereit , den tapferen Harry ins Jenseits zu befördern, aufregende
Verfolgungen über Dächer, durch die Zirkuskuppel, an schwankenden
Geräten, Falltüren, Versenkungen, ein losgelassener Tiger und
gleich eine ganze Löwenherde, kurz, Piel hat nicht wenig Prüfungen
zu bestehen, bis er es geschafft hat. Er ist bei diesem, seinem 75. Film,
frisch, forsch und gewandt, wie je und hat in jedem Augenblick die Sympathie
des Publikums. Wenn auch seine Zähmung des Tigers in knapp anderthalb
Minuten etwas wunderbar ist, so ganz ohne ist der Umgang mit dem riesigen
Katzentier immerhin nicht. Man darf bei Sensationsfilmen nicht nach der
Logik fragen...” (Der Kinematograph) “... Aber wir sind es ja gewöhnt von Harry Piel, daß er
alles spielend bewältigt und überwältigt, was sich ihm
in den Weg stellt: er findet das Geld, die Verbrecher werden ihrer gerechten
Bestrafung entgegengeführt, und die blinde schöne Tochter bekommt
das Augenlicht wieder, auf daß Harry Piel sie heiraten kann. Wir
sind begeistert von dir, wie immer, Harry Piel, aber heiraten, nein,
das hättest du nicht sollen! Erstens ist das stillos von einem Privatdetektiv,
und zweitens, wo läßt du die Frau, wenn du deinen 76. Film
drehst? Oder kommst auch du langsam in die Jahre?” (Die Filmwoche) top Harry
Piel (1892 – 1963)
Harry
Piel - Autor, Filmregisseur und Sensationsdarsteller - war seit der
Stummfilmzeit Inbegriff des deutschen Action-Schauspielers. Die Harry-Piel-Filme
hatten hohes Tempo und ungedoubelte Stunts, unübertroffen sind Harry
Piels Raubtier-Nummern. Er galt als der “deutsche Douglas Fairbanks”,
war in den 20-er und 30-er Jahren Idol der deutschen Kino-Jugend und
Liebling der Damen im Publikum.
Mit 14 Jahren brannte er
von zu Hause durch, war Kadett auf einem Segelschiff und ging mit 19
Jahren nach Paris, um Kunstflieger zu werden. Dabei lernte er den Regisseur
Léonce Perret kennen, der ihm Kontakt zu Gaumont
verschaffte. Hier schrieb er sein erstes Drehbuch und gründete 1912
eine Verlagsgesellschaft, die nach drei Filmen pleite ging. Ab
1919, nach einer Reihe von Joe-Deebs-Detektivfilmen, beschränkte
sich Piel nicht mehr alleine auf die Filmregie, sondern wurde ab sofort
auch sein eigener Hauptdarsteller. Die neu gegründete Nero-Film
nimmt Piel mit offenen Armen auf. Deren Chefs sind Richard Oswald, Heinrich
Nebenzahl und sein Sohn Seymor. Seymors ausgeprägtes Finanzierungsgeschick
und Gespür für Talente schaffen ihm ideale Bedingungen. Die
Nebenzahls richten Piel eine eigene Produktionsabteilung ein, in der
er relativ autonom agieren kann, solange er nicht das für jeden
Film eingeräumte Budget von 200 000 Mark überschreitet. 1928
gründet Piel die Filmgesellschaft Ariel, die für die nächsten
zehn Jahre seine Filme produzierte. Nach dem Krieg wurde
er von den Engländern zu sechs Monaten Haft
und einem Arbeitsverbot bis 1949 verurteilt. Sein Vergehen: Mitläufer
bei der NSDAP, bei der er seit 1933 Mitglied war. Schlimmer war, dass
72 Negative von seinen Filmen, darunter fast alle Stummfilme, bei einem
Fliegerangriff vernichtet wurden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges
konnte Piel nicht mehr Fuß fassen, nur zwei Filme drehte er bis
zu seinem Tod im Jahre 1963. Am Ende seiner Filmlaufbahn zierten genau
106 Narben von Knochenbrüchen, Hieb- und Stichverletzungen und Bißwunden
den Körper dieses waghalsigen Artisten und Kinobesessenen Mannes. top
Zur Restaurierung des Films von Matthias Knop (Filmmmuseum Düsseldorf, ehem. KirchMedia) Da
fast alle Piel-Filme der Stummfilmzeit im Krieg vernichtet wurden,
ist es ein Glücksfall, daß sich in der Cineteca Italiana (Mailand)
eine viragierte Nitro-Kopie erhalten hat. Diese bildet die Basis der
vorliegenden Restaurierung. Die Kopie wurde 2001 bei Recherchen durch
KirchMedia in der Cineteca di Bologna gefunden; sie war dort für
die Cineteca Italiana eingelagert.Wie sich herausstellte, handelt es
sich um das einzig noch erhaltene Material weltweit (ein im staatlichen
russischen Filmarchiv vorhandenes Material trägt zwar denselben
Titel, es handelt sich aber um einen anderen Piel-Film). Das
Nitro aus Bologna/Milano ist viragiert und hat italienische Titel (insgesamt
89). Offensichtlich war der Film für den italienischen
Export stark gekürzt worden: Zensurlänge war in Deutschland
im Jahre 1927 ursprünglich 3.384 Meter, der Film wurde lt. zeitgenössischer
Fachpresse fürs Kino auf ca. 2.900 Meter gekürzt, genaue Angaben
hierzu sind nirgendwo zu finden. Die vorliegende Fassung hat nach Einfügen
der deutschen Titel 1.938 Meter, mit der empfohlenen Vorführgeschwindigkeit
von 20 B/sec ist der Film nun 85 Minuten lang. Die Zensurkarte,
die zugleich den Wortlaut aller Zwischentitel erfasst, ist im Bundesarchiv
vorhanden, danach hatte der Film insgesamt 156 Titel. In der vorliegende
Kopie konnten davon 149 Titel in die Handlung eingefügt
werden (z.T. waren noch sichtbare Klebestellen vorhanden, wo früher
einmal Titel waren). Lediglich 7 Titel fehlen nun im Vergleich zur Zensurliste,
da die dazugehörigen Szenen fehlen. Dennoch können wichtige
Teile der Handlung durch etwaige Kürzungen nicht fehlen, vermutlich
wurden für die Kinoauswertung in Italien einige ausschweifende Handlungsstränge
gerafft. Die Kopierarbeiten wurden im Kopierwerk L’Immagine
Ritrovata Bologna
durchgeführt, das sich auf schwierige Rekonstruktionen historischen
Filmmaterials spezialisiert hat. Die deutschen Titel, die bei KirchMedia
hergestellt wurden, orientieren sich dem Wortlaut nach an der Zensurkarte,
der grafischen Gestaltung nach an den italienischen Titeln. Eine Rohfassung des restaurierten Films (ohne Titel) wurde beim italienischen
Stummfilm-Festival Il Cinema Muto von Pordenone im Oktober 2001 probehalber aufgeführt.
Die im November 2001 endgültig fertiggestellte deutsche Fassung
ist bis dato noch nicht gezeigt worden. top Zur
neuen Musik Die
Musik des Münchner Komponisten Pierre Oser entstand im Auftrag
von ZDF/ARTE für ein außergewöhnliches Kooperationsprojekt
mit KirchMedia und dem Goethe-Institut: Ein Film, der schon
aufgrund seines populären Hauptdarstellers
Harry Piel zu den großen Kinoerfolgen des Jahres 1927 gehörte,
soll wieder auf Welt-Tournee gehen. Dafür schrieb Pierre Oser eine
Musik, die an die Machart der Sensationsfilme der frühen Filmgeschichte
anknüpft und die die ganze Klaviatur seriöser und leichter
Musik durchspielt. Sie spannt den Bogen von Spätromantik und Expressionismus
hin zur Tanz- und Schlagermusik der zwanziger Jahre und weiter zur Varieté-
Zirkus- und Filmmusik. Die Musik zum ZIRKUS BEELY spiegelt
die stilistische Vielfalt des Films und seiner Zeit; sie führt den Besucher aus dem bürgerlichen
Ambiente des ausgehenden 19. Jahrhunderts in den Rhythmus und das Tempo
der anbrechenden Moderne, der Krimi- und Actionfilme, wie sie auch aus
den folgenden Jahrzehnten mit Serien-Helden wie Emma Peel, Miss Marple
und Kommissar Maigret vertraut sind. Klangeffekte unterstreichen die
Spannung der Geschichte und akzentuieren das Spiel der Protagonisten. Für sein subtiles Spiel mit vertrauten Mustern der Filmmusik greift
Pierre Oser auf einen kleinen Bläser- und Streichersatz zurück,
unterstützt vom Klavier: 8 Instrumentalisten mit Piccolo-/Querflöte,
B-/Baß-Klarinette, Trompete/Euphonium, Tenor-/Bariton-Saxophon,
Violine, Viola, Violoncello, Klavier.
letzte Aktualisierung
15.03.2008
, © Pierre Oser |