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Im Kampf mit dem Berg
Stummfilm Deutschland 1921, s/w, 87 min.
Prod.: Berg - und Sportfilm GmbH, Freiburg
Drehbuch und Regie - Arnold Fanck (1921)
Kamera - Sepp Allgeier und Arnold Fanck
Musik - Paul Merano ( = Paul Hindemith)
Darsteller - Hannes Schneider, Ilse Rohde

Aufführung am 7. Dezember '97, 11.00 Uhr im Filmmuseum München
Violine - Betyna Franke, Klavier - Pierre Oser

"Dr. Fanck wird nicht gelobt, sondern geliebt, nicht ktitisiert, sondern angegriffen", urteilteBéla Balázs 1931 über Arnold Fanck (1889 - 1974), den Pionier und unübertroffenen Meister des deutschen Bergfilms; sein Urteil ist nach wie vor gültig. Unumstritten ist die faszinierende, in ihrer Zeit gänzlich neuartige Bilderwelt seiner Filme, die er oft unter schwierigsten Bedingungen ausschließlich im Freien mit einigen der besten Kameraleuten drehte. "Im Dokumentargenre erreichten diese Filme Unvergleichliches", meinte Siegfried Kracauer; "jeder, der sie gesehen hat, wird sich an das glitzernde Weiß der Gletscher gegen einen dunklen kontrastierenden Himmel erinnern, an das großartige Spiel der Wolken, die sich als Berge über den Bergen auftürmen, an die Eiszapfen, die von den Dächern und Fenstersimsen irgendeiner kleinen Hütte herabhängen, und an die merkwürdigen Eisgebilde, die in den Gletscherspalten durch die Fackeln eines nächtlichen Rettungstrupps zu funkelndem Leben erweckt wurden." Kritisiert hingegen wird Fancks Tendenz zur Mystifizierung von Natur durch filmische Mittel, die dann später Fancks Mitarbeiterin Leni Riefenstahl auch noch für eine Hitler - Hagiographie im Film über die Berliner Olympiade 1936 "Triumpf des Willens" mißbrauchte, sowie die Dürftigkeit der Spielhandlung in seinen Filmen. Allerdings kann Fanck der Mißbrauch seiner filmischen Mittel kaum angelastet werden, und die Spielhandlung schätzt er selbst als ein Zugeständnis an das breite Publikum ein, dem er nicht zutraute, sich von reinen Naturbildern, und seien sie noch so schön, auch nur zwanzig Minuten fesseln zu lassen. . . . . . .

. . . . . Die einzige Filmmusik, die sich von Hindemith erhalten hat, ist diejenige zum Film IM KAMPF MIT DEM BERG, die er im Sommer 1921 eher zufällig in wenigen Wochen komponiert hatte. Das ist eine der ersten Originalkompositionen für den Film überhaupt. Der Regisseur dieses Films, Arnold Fanck, hat darüber später berichtet:
    "Im Jahre 1921 wohnte Hindemith, der damals sehr befreundet war mit meinem Schwager, Dr. Temesvary (ebenfalls Komponist) auf Einladung längere Zeit in unserer Freibuerger Villa. Ich habe damals gerasde in unserer Diele meinen Lyskamfilm IM KAMPF MIT DEM BERG geschnitte und immer, wenn ich ein Röllchen beieinander hatte und mir vorführte, sah Hindemith interessiert zu. Und als ich schließlich den ganzen Film in einer ersten Fassung vorführte, sagte Hindemith ganz begeistert zu mir: 'Wissen Sie, was Sie da machen ist reine Musik'. Diese Worte sind mir unvergesslich geblieben. Er machte mir dann den Vorschlag, er woll zu diesem Film einmal Musik komponieren. Was damals noch ganz ungebräuchlich war. Ich mußte ihm also im Laufe der nächsten Wochen immer wieder einzelne Teile vorführen, wobei ich ihm die Meterlängen abstoppte und er schon während der Vorführung sich kurze Notizen in Noten machte. Dann setzte er sich an unseren Flügel und spielte sich die inzwischen fertig gewordenen Noten für die einzelnen Rollen vor. Als er mit der ganzen Komposition fertig war und sie mir auf dem Klavier vorspielte, da wurde mir plötzlich ganz klar, daß meine Bilder durch diese Musik stark in der Wirkung erhöht wurden (....)
Das war jedenfalls das erste Mal. daß ein Film eine Originalmusik bekam. (....)
Im UFA - Palast in Berlin, wo die Premiere stattfinden sollte, war damals ein sehr bekannter Dirigent, dem ich die Partitur brachte mit der Bitte, sie einzustudieren für die Premiere. Ein paar Tage später aber lehnte er das glatt ab, weil er gewohnt sei, sich die Musik für einen Film selbst zusammenzustellen. Außerdem sei diese Musik so schwer, daß sein Orchester sie nicht spielen könne. Und das wiederholte sich dann in allen anderen Premierentheatern, wo die betreffenden Dirigenten entweder ihre eigene Musik zusammenstellten, oder die vom UFA - Palast übernahmen. Einzig in dem Premierentheater in Düsseldorf konnte ich erreichen, daß Hindemiths Musik gespielt wurde.Und hier vor der großen Leinwand konnte ich jetzt besonders gut empfinden, wie sehr meine Bilder durch diese Musik erhöht wurden, und damit erkennen, daß es der einzig richtige Weg sei, einen Film original zu komponieren. Meines Wissens dauerte es aber dann noch einige Jahre, bis dies Erkenntnis in der Filmbranche Allgemeingut und durchgeführt wurde. (....)
übrigens hat Hindemith diesen Film damals komponiert ohne ein Honorar zu verlangen. Einfach weil es ihm Freude machte, so etwas zu machen und weil er die Bildsinfonie - wie gesagt - empfand wie Musik."

(Text von Giselher Schubert aus dem Begleitheft zur CD "In Sturm und Eis" BGM Classics)