Orlacs Hände    Orlacs Hände(15793 Byte)     zurück      rechts.gif (896 Byte)

Stummfilm - Österreich 1924, Produktion Pan - Film/ Prag,
Regie - Dr. Robert Wiene, Buch - Ludwig Nertz nach einer Romanvorlage von Maurice Renard,
Bild - Hans Androschin, Bauten - Stefan Wessely,
Darsteller - Conrad Veidt, Alexandra Sorina, Fritz Strassny, Paul Askenas, Carmen Carelieri, Fritz Kortner

Musik:
Cello, Sythesizer, Neukomposition - Pierre Oser


Ein selten spannender, phantastischer Film, nach dem Roman von Maurice Renard außerordentlich geschickt inszeniert, in der Mischung von Impression und Realistik, getragen von der unerhörten Gestaltungskraft Conrad Veidts. - Die Geschichte eines Klaviervirtuosen, der bei einem Eisenbahnunglück seine Hände verliert, die ein berühmter Chirurg durch die eines Raubmörders ersetzt, der gerade in die Anatomie eingeliefert wird. Orlac erfährt von dieser Transplantation und wird an den Rand des Wahnsinns getrieben, gerät in Mordverdacht, bis sich schließlich herausstellt, daß weder die Hände von einem Mörder stammen, noch daß Orlac selbst irgendwie schuldig ist, daß vielmehr ein Verbrecher sein Unwesen getrieben hat, der endlich entlarvt ist. - Wie gesagt, ein ausgezeichnetes inszeniertes Bild, vor allem von Veidt unerhört gespielt, neben dem Fritz Kortner und Sorina stehen. - Bei der Premiere stritten sich Pfeifer mit der Majorität der Begeisterten, die unendlichen Beifall bei den Aktschlüssen und bei offener Szene spendete. Der Film läuft vor täglich ausverkauftem Hause, ausgezeichnet illustriert durch Schmidt - Gentner, und im Mozartsaal - man möchte fast sagen - persifliert durch einen amüsanten kleinen Linder - Film "Zu Hilfe!", den man allerdings besser nicht vorher, sondern nachher gespielt hätte, damit das Düstere, das Schreckliche, Gespenstische und Grauenvolle, das dieser Film naturgemäß erzeugen muß, etwas gemildert worden wäre.- Trotzdem muß noch besonders betont werden, daß "Orlacs Hände" bereits thematisch eine Bereicherung unseres gleichförmig gewordenen Kinospielplanes bedeutet. Selbst in den Provinzkinos wird man den Realismus herkömmlicher Produktion gern durch ein Werk phantastischer Wucht unterbrechen.

Aus "Kinomatograph" Nummer 938, vom 8. 2. 1925