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 Panzerkreuzer Potemkin

Stummfilm - Sowjetunion 1925, Produktion - Erste Goskino Fabrik, Buch, Regie, Montage - Sergej M. Eisenstein, Idee, Entwurf - Nina Agadshanowa - Schutko, Regieassistenz - Grigorij Aleksandrow, Kamera - Eduard Tisse, Musik Deutschland 1926 - Edmund Meisel
Uraufführung 24. 12. 1925, Bolschoi Theater in Moskau, Deutsche Erstaufführung 29. 4. 1926, Apollo Theater in Berlin


Nach der Niederlage im russisch-japanischen Krieg verschärfen sich 1905 die sozialen und politischen Konflikte im Zarenreich.In St.Petersburg lässt der Zar eine Bittkundgebung, an der 150000 Menschen teilnehmen, von seinen Soldaten buchstäblich zusammenschiessen. Die Empörung über das Massaker an wehrlosen, unbewaffneten Männern, Frauen und Kindern erfasst das ganze Land. Bauern erheben sich gegen ihre Gutsherren, Arbeiter in Fabriken und Berkwerken beginnen zu streiken. Die Empörung und Verbitterung erfassen auch rasch Soldaten und Matrosen. Für Herbst 1905 planen sie den bewaffneten Aufstand in der Schwarzmeerflotte. Die Ereignisse überschlagen sich jedoch derart, daß der Aufstand vorzeitig spontan auf dem "Panzerkreuzer Potemkin" ausbricht. Gemeinsam mit zahlreichen Erhebungen im ganzen Land, gipfelt dies im Dezemberaufstand.

Zum 20-jährigen Jubiläum der Bürgerlichen Revolution von 1905 wurde ein Film mit dem Projekttitel "Das Jahr 1905" in Auftrag gegeben. Regisseur Sergej Eisenstein entschloß sich für die Adaption der Episode um den Panzerkreuzer Potemkin:
"Das Material des 'Potemkin' ist für die Interpretation in unserem Film deshalb so ergiebig, weil es in einem Ereigniss aus dem Jahre 1905 so viele Stimmungen wiedergibt, die für das ganze Revolutionsjahr charakteristisch sind. Das Massenblutbad unter der friedlich gestimmten Menge auf der Hafentreppe in Odessa, die Verweigerung des Schiessbefehls durch die Schiffswache, die aufständischen 'Potemkin'-Matrosen, die sich zum letzten Gefecht mit dem herannahenden Geschwader fertig machen, die wachsende revolutionäre Ekstase, die im Augenblick des Zusammentreffens auf die ganze Flotte übergreift und schliesslich die freie Durchfahrt für die 'Potemkin', statt des befürchteten Angriffs - all das sind episodische Details, die in verdichteter Form das ganze Jahr 1905 widerspiegeln."

 Filmfassung und Musikbearbeitung:

 Eisensteins berühmter Klassiker "Panzerkreuzer Potemkin" war in Deutschland schon bei seine Premiere im Jahr 1926, starken Zensuren unterworfen worden und hatte im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche weitere Eingriffe erdulden müssen. In der Bundesrepublik war er vor 1978 nur in einer, gegenüber dem Original stark veränderten Fassung zu sehen. Dann erst brachten die "Freunde der Deutschen Kinemathek den Film in einer authentischen Version in den Verleih. Diese, von Naum Kleeman in Moskau rekonstruierte Fassung, enthält die russischen Zwischentitel und deutsche Untertitel.
Die Begleitmusik der Aufführung basiert auf der Komposition von Edmund Meisel für die deutsche Erstaufführung im Jahre 1926. Der Filmmusikwissenschaftler Lothar Prox schreibt über den Berliner Dirigenten und Komponisten Edmund Meisel: "Die Musik zum 'Potemkin' revolutionierte die Kinogeschichte wie es Eisensteins Film vermochte, und ihre pochenden, lärmenden Rhytmen hafteten noch jahrzehntelang im Gedächtniss der Zeitgenossen. Trotz Meisels frühem Tode (1930) blieb ihm der Ruhm des bedeutensten Stummfilmkomponisten. Dieses Renomee war vor allem mit 'Potemkin' verbunden.In der 90-jährigen Geschichte des Films haben sich Regisseur und Komponist nur selten als kongeniale Partner ergänzt. Ein solcher Glöcksfall ereignete sich bei Eisenstein und Meisel."

Die Komposition von Edmund Meisel wurde 1990 für die Besetzung mit zwei Klavieren bearbeitet. Hierfür standen der Klavierauszug der Orchesterfassung mit sogenannten Direktionsstimmen, sowie eine nie aufgeführte Orchester-Instrumentation neueren Datums, aus dem Eisenstein Museum in Moskau, zur Verfügung.

2 Klaviere, Originalmusik - Edmund Meisel, Bearbeitung - Pierre Oser

 


 Aus einem Bericht über die Premiere:

 

"...Schliesslich aber riss der Film alle mit. An der entscheidenden Stelle, wo der Kreuzerkommandant eine Gruppe Matrosen erschiessen lassen will, ihm aber der Gehorsam verweigert wird, brach ein Beifallssturm im Publikum los, der sich zum Orkan steigerte, als die verhassten Offiziere in Meer geworfen wurden. Atemlose Stille dagegen herrschte im Kinosaal, als 'Potemkin' seine Geschützrohre gegen das im Schutze der Dunkelheit herangekommene Admiralsgeschwader richtet. Beim Rythmus der auf Hochturen arbeitenden Schiffsmaschienen, sehr realistisch von der Meiselschen Musik zum Ausdruck gebracht, steigerte sich die Spannung bis fast ins Unerträgliche, und mancher hielt es nicht aus und wollte davonstürzen. Alle atmeten befreit auf, als der Kreuzer endlich, ohne einen Schuss abgeben zu müssen, durch das Admiralsgeschwader brach, bejubelt von dessen Matrosen. Der Jubel übertrug sich auf das ganze Theater..."

* * * *

Anlässlich der Weltausstellung in Brüssel im Jahre 1958 wurde der Film durch 119 Jurymitglieder aus 27 Ländern zum "Besten Film aller Zeiten" erkoren.

Und im Oktober 1990 wurde der 'Panzerkreuzer' von 6000 europäischen Filmschaffenden zum "Besten europäischen Film aller Zeiten" gekürt.