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Pressestimmen:

SUNRISE

von Friedrich Wilhelm Murnau

USA 1927

 

Uraufführung am 9. November 2004
mit dem ensemble KONTRASTE
aus dem Orchesterverbund der europäischen FilmPhilharmonie

in der Kulturhauptstadt Lille/Frankreich

Besetzung: Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott, Trompete, Posaune, Klavier, Violine, Viola, Violoncello

 

Hinter den Kulissen


Letzte Vorbereitungen am gestrigen Nachmittag
Das Casino wird zum Projektionssaal


Das Klavier ist gestimmt, die Leinwand montiert, der 35mm-Projektor bereit zum Abspielen des Filmes: Nadia Paschetto und einige Techniker von Cineligue treffen die letzten Vorbereitungen im Casino.
"Wir haben uns selbst daran gemacht, eine Leinwand zu installieren. Die des Casinos ist aus technischen Gründen nicht für diese Veranstaltung geeignet", erklärt Nadia Paschetto, Leiterin von Plan Sequence, gestern Nachmittag. Mit ihr waren gestern einige Techniker von Cineligue damit beschäftigt, den Saal vorzubereiten. Die Projektion eines Meisterwerks der Filmgeschichte aus dem Jahre 1927 stellt einige technische Anforderungen.
Hinzu kommt, dass zehn Musiker und ihr Dirigent Pierre Oser auf der Bühne Platz finden müssen. Auf der Bühne wurde eine Leinwand von 4,5 m Höhe und 10m Länge etwa 30 m von der Regie entfernt installiert, die das Casino für einige Stunden in einen Projektionssaal verwandelt. "Das Breitbandformat existierte zu dieser Zeit noch nicht", erklärt Camille Defelice von Cineligue, bevor er sich an die ersten Projektionsversuche mit dem 35mm-Projektor macht: "Die Bilder sind quadratisch und beanspruchen die gesamte Höhe der Leinwand." Das Orchester wird sich auf der linken Seite der Bühne platzieren. Gegen 19 Uhr kam der Leiter des Orchesters für die letzten Absprachen vor Ort. Die gesamte Aufmerksamkeit gilt dem heutigen Abend, an dem ein Stummfilm der 20er Jahre und zeitgenössische Musik zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen sollen.

Perrine DIEVAL
LA VOIX DU NORD
DIENSTAG, 9. NOVEMBER 2004

 

 

Festivaleröffnung am Dienstag: Ein Film von Friedrich Wilhelm Murnau

Ein vielversprechender "Sonnenaufgang"


Zwischen den zehn Musikern aus Nürnberg, geleitet von Pierre Oser, und den Bildern des Meisterwerks aus dem Jahre 1927 herrschte am Dienstag Abend perfekte Harmonie.
Woran erkennt man ein filmisches Meisterwerk? Am kaum zu übertreffenden Applaus der 650 Zuschauer über 80 Jahre nach der Weltpremiere? An ihrem Lächeln, am Leuchten ihrer Augen beim Verlassen des Casinos, das erlebte Glücksgefühle widerspiegelt? Am kollektiven Lachen des Publikums, das sich aus mindestens vier Generationen zusammensetzt? All dies konnte man tatsächlich am Dienstag Abend im Casino bei der Uraufführung der neu restaurierten Kopie von Murnaus Film "Sonnenaufgang", einem Meisterwerk des Stummfilms aus dem Jahre 1927, erleben. Dieses Ereignis eröffnete das 5. internationale Filmfestival von Arras. "Lassen Sie sich verzaubern" forderte der Festivalveranstalter zur Einleitung auf, und tatsächlich wurde der Zuschauer von einer keineswegs veralteten Liebesgeschichte ganz und gar gefangen genommen.
Begleitet wurde der Film von einer eigens komponierten Musik des Komponisten Pierre Oser, in einer Ausführung des Ensembles "Kontraste" aus Nürnberg. Ein wahres Glück und eine einzigartige Gelegenheit, gleichzeitig die Bilder auf der großen Leinwand und den Dirigentenstab, der die zehn Musiker leitet, zu verfolgen. Ja, das Zusammenspiel war perfekt. Die außerordentliche Modernität Murnaus Schaffens macht wahrscheinlich die Stärke dieses Filmes aus, der auf einem Buch von Carl Mayer, einem Vertrauten des Regisseurs, basiert. Sie besteht in erster Linie in der formalen Realisierung. Oberblendungen illustrieren die Wankelmütigkeit des treuherzigen Helden, der zwischen der Verführerin aus der Stadt und seiner aufrichtigen Ehefrau hin und hergerissen ist. Auch in der anfänglich angekündigten, gut dosierten Komik ist der Film modern. Buchstaben verschwimmen auf dem Bildschirm und gehen schließlich langsam im Wasser unter, ähnlich wie die junge Ehefrau später ertrinken soll. Die Großaufnahmen der Schnauze des betrunkenen Schweinchens oder die Episode bei dem Barbier sind, neben anderen Szenen, humoristische Einlagen, die heute immer noch so effizient sind, wie damals.
Ebenfalls zu erwähnen ist die Bildästhetik. Sublime Beleuchtung verdeutlicht den Kontrast zwischen dem Leben in der Stadt und auf dem Land, zwischen Arbeits- und Freizeitwelt (und dies bereits im Jahre 1927!). Der Zuschauer befindet sich in einem Großstadtleben, dessen Turbulenz durch die schnellen Schnittfolgen intensiviert wird. Die Aufführung des Films "Sonnenaufgang" am 15. Jahrestag des Mauerfalls in Berlin hat die Messlatte sehr hoch gelegt. Nach dieser Eröffnung möchte man sich die ganze Woche von den Veranstaltungen des Festivals "L'Autre Cinema" in Arras überraschen lassen.

Perrine DIEVAL
LA VOIX DU NORD
MITTWOCH, 10. NOVEMBER 2004

 

 

Ein einzigartiger Moment mit "Sonnenaufgang" von Murnau

Stumme Bilder und die gefühlvolle Interpretation eines Orchesters


(...) Das Ereignis für Kinoliebhaber dieses Festivals war die Premiere der neu restaurierten Kopie des Stummfilmklassikers "Sonnenaufgang" von Murnau im Casino. Zum ersten Mal wurde der Film von einem kleinen Orchester, dem Ensemble Kontraste aus Nürnberg, begleitet. Die Musiker interpretierten eine Partitur, die eigens für diesen Anlass vom Komponisten und Dirigenten Pierre Oser komponiert wurde, um Bilder und Gefühle des Filmes zu illustrieren. Eine lebhafte, romantische Musik, die Drama und Lachen gleichermaßen akzentuierte. Die Zuschauer im Casino erlebten an diesem Abend einen einzigartigen Moment der Filmgeschichte.

Arras actualites
N° 187- Dezember 2004



letzte Aktualisierung 15.03.2008 , © Pierre Oser